Mit Wettbewerbsfähigkeit Betriebsverlagerungen und Insolvenzen entgegenwirken!

Mag. Nikolaus Graf
Leiter des Forschungsbereichs Wettbewerbsfähigkeit

In der öffentlichen und wirtschaftspolitischen Diskussion rufen größere Betriebsschließungen und -verlagerungen sowie Insolvenzen oft ein großes Maß an Aufmerksamkeit hervor. Aktuelle Beispiele sind die Insolvenzen von Forstinger und Niki in Österreich und der Fall des Niki-Mutterunternehmens AirBerlin in Deutschland. „Die Insolvenz eines Unternehmens ist zweifellos eine schmerzhafte Erfahrung für die Betroffenen. Allerdings sollte die Bedeutung für den Arbeitsmarkt insgesamt nicht überschätzt werden“, sagt Tobias Thomas, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria. „Bestes Mittel gegen Betriebsverlagerungen und Insolvenzen ist die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und des Wirtschaftsstandorts insgesamt“, so Thomas.  

Auf Basis des ‚European Restructuring Monitor‘ (ERM) hat EcoAustria europaweit 4.015 große Restrukturierungsfälle der Jahre 2003 bis 2017 mit insgesamt rund 1,4 Mio. betroffenen Beschäftigten unter die Lupe genommen. Demnach hat sich nach den restrukturierungsintensiven Phasen der Jahre 2005/2006 sowie 2008/2009 die Lage weitgehend wieder ‚beruhigt‘. In Österreich entsprechen die im Schnitt 2.400 durch große Restrukturierungen betroffenen Arbeitsplätze pro Jahr im Vergleich zum Beschäftigtenstand von durchschnittlich rund 4 Mio. Personen einer relativen Betroffenheit von 0,06 %. Im internationalen Vergleich reiht sich Österreich damit in eine Gruppe mit Finnland, dem Baltikum, den Benelux-Staaten und Schweden im oberen Mittelfeld ein. Europaweit weisen Irland mit einer relativen Betroffenheit von 0,13 % und das Vereinigte Königreich mit 0,09 % die Höchstwerte auf.

Die meistgenannten Motive für Restrukturierungen sind eine ungünstige Marktsituation bzw. ein Nachfragerückgang, aber auch Kostengründe wie Arbeitskosten. Das verdeutlicht die Relevanz der Wettbewerbsfähigkeit eines Wirtschaftsstandorts. Hingegen werden aktuelle geopolitische Entwicklungen in den Jahren 2016 und 2017 europaweit lediglich in sechs von insgesamt rund 350 Fällen genannt. Der Brexit oder die neue Außenhandelspolitik des US-Präsidenten Donald Trump haben demnach bislang keine signifikanten Auswirkungen auf größere Restrukturierungen, so das Fazit einer heute veröffentlichten EcoAustria-Policy Note.