Studie: Energiekosten, öffentliche Abgaben und der Wirtschaftsstandort Österreich
Studie Energiekosten, Abgaben und Wirtschaftsstandort
DI Johannes Berger
Leiter des Forschungsbereichs Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung
Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna
Direktorin, Forschungsvorstand/ - wissenschaftliche Leiterin
Mag. Ludwig Strohner
Leiter des Forschungsbereichs Öffentliche Finanzen
Wie können die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich gestärkt sowie Wachstum und Beschäftigung nachhaltig gefördert werden? Eine Studie von EcoAustria im Auftrag von oecolution austria untersucht den Einfluss von Abgaben und Energiekosten auf die österreichische Volkswirtschaft und analysiert, welche Entlastungsmaßnahmen die größten wirtschaftlichen Effekte erzielen.
Die Analyse zeigt, dass Österreich vor einer doppelten Herausforderung steht. Einerseits liegen die Energiepreise trotz der Entspannung nach der Energiekrise weiterhin über dem Vorkrisenniveau und über jenen wichtiger internationaler Wettbewerber. Andererseits zählt Österreich mit einer Abgabenquote von 44,3 Prozent zu den Ländern mit der höchsten Steuer- und Abgabenbelastung innerhalb der Europäischen Union. Besonders stark belastet werden Erwerbseinkommen, wodurch Arbeitsanreize, Beschäftigung und zusätzliche Wertschöpfung beeinträchtigt werden.
EcoAustria untersucht mehrere Entlastungsszenarien. Neben einer Reduktion der Elektrizitäts- und Erdgasabgaben auf das europäische Mindestniveau werden drei steuerpolitische Maßnahmen mit einem Volumen von jeweils einem Prozent des BIP simuliert: eine Senkung der Lohnnebenkosten, eine Senkung der Lohn- und Einkommensteuer sowie eine Senkung der Umsatzsteuer.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Senkung der Lohn- und Einkommensteuer die größten direkten Wachstumseffekte erzielt. Eine Entlastung im Ausmaß von einem Prozent des BIP erhöht das reale Bruttoinlandsprodukt kurzfristig um rund 0,75 Prozent und langfristig um knapp 1,2 Prozent. Gleichzeitig entstehen langfristig rund 38.000 zusätzliche Arbeitsplätze.
Auch eine Senkung der Lohnnebenkosten entfaltet erhebliche positive Wirkungen. Langfristig steigt die Beschäftigung um rund 26.000 Personen und die Wirtschaftsleistung um rund 0,8 Prozent. Berücksichtigt man die Selbstfinanzierungseffekte durch höhere Beschäftigung, steigende Einkommen und zusätzliche öffentliche Einnahmen, zeigen Lohnnebenkostensenkungen langfristig sogar die stärksten Beschäftigungs- und Wachstumseffekte pro eingesetztem Euro.
Die Reduktion der Energieabgaben auf das EU-Mindestniveau würde ebenfalls positive Impulse setzen, fällt aufgrund des geringeren Entlastungsvolumens jedoch deutlich schwächer aus als die untersuchten Steuerreformen.
Die Studie unterstreicht damit die Bedeutung einer wachstums- und beschäftigungsfreundlichen Steuerstruktur. Aus Sicht von EcoAustria sollten insbesondere Erwerbseinkommen und Lohnnebenkosten entlastet werden, um Arbeit, Vollzeitbeschäftigung und zusätzliche Arbeitsstunden attraktiver zu machen. Gleichzeitig sollten dauerhafte Steuersenkungen durch effizientere öffentliche Ausgaben begleitet werden, um die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen sicherzustellen.