Policy Note 61: Öffentlich-privates Dachfondsmodell und ergänzende VC-Politik in Österreich
Policy Note 61: Öffentlich-privates Dachfondsmodell und ergänzende VC-Politik in Österreich
Studienbericht: Dachfonds in Österreich
Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna
Direktorin, Forschungsvorstand/ - wissenschaftliche Leiterin
Mag. Nikolaus Graf
Leiter des Forschungsbereichs Wettbewerbsfähigkeit
Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) hat EcoAustria untersucht, wie Österreichs unterentwickelter Venture-Capital-Markt gestärkt werden kann. Ausgangspunkt ist die Diagnose, dass Österreich mit einem VC-Volumen von lediglich 0,02 Prozent des BIP im Jahr 2024 im internationalen Vergleich deutlich zurückliegt und insbesondere wachsende Scale-ups kaum Zugang zu Kapital haben. Die Studie empfiehlt daher die Einführung eines öffentlich-privaten Dachfondsmodells, das auf erfolgreichen Beispielen aus Deutschland und Dänemark basiert. Dabei stellt der Staat Ankerkapital oder Garantien bereit, um privates Kapital von institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen zu mobilisieren. Entscheidend sind eine unabhängige Governance-Struktur, ein international rekrutiertes Fondsmanagement und ein klarer Fokus auf wachstumsstarke Unternehmen sowie Schlüsseltechnologien, die für den Wirtschafts- und Produktionsstandort Österreich von Bedeutung sind.
Die modellierten volkswirtschaftlichen Effekte verdeutlichen das Potenzial eines solchen Instruments: In einem Szenario mit einem Fondsvolumen von 500 Millionen Euro können bis zu eine Milliarde Euro an zusätzlicher Wertschöpfung erzielt werden, begleitet von mehr Beschäftigung, steigenden Reallöhnen und positiven Rückwirkungen auf das Budget über höhere Steuer- und Beitragseinnahmen. Damit ergibt sich ein erheblicher Multiplikatoreffekt, bei dem einmalig eingesetzte öffentliche Mittel ein Vielfaches an gesamtwirtschaftlichem Nutzen generieren.
Ergänzend hebt die Studie hervor, dass flankierende politische Maßnahmen notwendig sind, um den Erfolg eines VC-Dachfonds abzusichern. Dazu zählen die Anpassung des regulatorischen Rahmens, damit institutionelle Investoren einfacher in Venture-Capital investieren können, steuerliche Anreize zur Förderung von Investitionen und Gründungen sowie attraktivere Modelle der Mitarbeiterbeteiligung. Insgesamt kann ein Dachfonds damit zu einem zentralen Baustein einer modernen Industriestrategie werden, die Österreichs Innovationskraft, Unternehmensdynamik und Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärkt.