Policy Note 64: Maßnahmen zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit mit Fokus auf Start-Up und Scale-Up Unternehmen
Policy Note 64: Maßnahmen zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit mit Fokus auf Start-Up und Scale-Up Unternehmen
Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna
Direktorin, Forschungsvorstand/ - wissenschaftliche Leiterin
Europas Wettbewerbsfähigkeit steht unter Druck. Die Produktivitätslücke gegenüber den USA hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig vergrößert, besonders im Technologiesektor, wo die Produktivität US-amerikanischer Unternehmen massiv gestiegen ist, während sie in Europa weitgehend stagniert. Eine zentrale Ursache sieht EcoAustria darin, dass in Europa deutlich weniger innovative Start-ups entstehen und diese im Vergleich zu den USA langsamer wachsen. Konkret liegt die Eintrittsrate vielversprechender Neugründungen in den USA rund 25 Prozent höher als in Europa. Zudem erreichen die wachstumsstärksten jungen US-Firmen einen sechsfach höheren Beschäftigungsanteil als vergleichbare europäische Jungunternehmen. Folglich werden in Europa deutlich weniger von ihnen zu Marktführern.
Unsere aktuelle Policy Note verdeutlicht diese Entwicklung und zeigt auf, dass innovative Jungunternehmen in Europa oftmals durch strukturelle Hürden ausgebremst werden.
Vor diesem Hintergrund empfehlen wir folgendes Maßnahmenpaket:
- Vollendung des Binnenmarkts
Der Abbau verbleibender Handelshürden sowie die Harmonisierung unternehmensrelevanter Regulierungen sollen die Vollendung des EU-Binnenmarkts ermöglichen, damit Start-ups leichter EU-weit expandieren, Skaleneffekte nutzen und Wachstumspotenziale ausschöpfen können – ein Schritt, der das EU-BIP um rund 480 Milliarden Euro erhöhen könnte.
- Einheitliche Regeln für mehr Eigenkapital
Die Vereinheitlichung von Gesellschafts-, Insolvenz- und Steuerrecht sowie die Vertiefung des europäischen Kapitalmarkts sollen die grenzüberschreitende Eigenkapitalfinanzierung erleichtern. So kann ein echter europäischer Kapitalbinnenmarkt entstehen, der mehr Investitionen mobilisiert und die hohen Ersparnisse in Europa effizienter nutzt. Davon profitieren insbesondere junge innovative Unternehmen, die dadurch leichter Zugang zu Wachstumskapital erhalten.
- Mobilisierung von Risikokapital
Um mehr Wachstumskapital für innovative Start-ups bereitzustellen, sollen regulatorische Hürden abgebaut und der Zugang zu privatem und institutionellem Kapital verbessert werden – insbesondere durch Reformen, die stärker auf kapitalgedeckte Pensionssysteme setzen und damit mehr Mittel für Risikokapitalinvestitionen mobilisieren. So lässt sich die bestehende Finanzierungslücke gegenüber den USA verringern, wo ein Vielfaches an Risikokapital investiert wird. Europäische Jungunternehmen sollen dadurch ausreichend Mittel erhalten, um nicht abwandern zu müssen, sondern von hier aus zu Marktführern heranzuwachsen.
- Stärkung des Innovationsökosystems
Durch eine bessere Koordinierung und Vernetzung der europäischen Forschungs- und Innovationslandschaft sowie den Abbau nationaler Fragmentierung sollen grenzüberschreitende Innovationscluster entstehen, die Investitionen auf strategische Schlüsseltechnologien bündeln. Dadurch wird sichergestellt, dass Start-ups Know-how, Talente und Märkte EU-weit erschließen können und Europa in Technologien wie KI oder Quantencomputing global anschlussfähig bleibt.
- Förderung der Unternehmenskultur und Risikobereitschaft
Nicht zuletzt kann ein kultureller Wandel hin zu mehr Risikobereitschaft, Innovationsfreundlichkeit und Wertschätzung für Unternehmertum die Gründungsdynamik fördern und Innovationskraft Europas erhöhen. Durch gezielte Bildungsinitiativen, sichtbare Vorbilder und den Abbau von Stigmata sollen mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Eine solche Kultur des chancenorientierten Unternehmertums ist zugleich Voraussetzung dafür, dass formelle Reformen ihre volle Wirkung entfalten, da kulturelle Normen bestimmen, wie stark politische Maßnahmen tatsächlich in mehr Unternehmensgründungen und Wachstum münden.