Research Paper 33: Steuerliche Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum
Research Paper 33: Competitiveness of the tax system and economic growth
Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna
Direktorin, Forschungsvorstand/ - wissenschaftliche Leiterin
Michael Christl, Universidad Loyola Andalucia, Sevilla, Spain
Die laufenden Budgetverhandlungen stellen die österreichische Bundesregierung vor eine doppelte Herausforderung. Die öffentlichen Finanzen müssen nachhaltig konsolidiert werden, zugleich dürfen Investitionen, Innovation und Wachstum am Standort nicht gebremst werden. Ein neues Research Paper von EcoAustria zeigt, dass die Ausgestaltung des Steuersystems dabei eine zentrale Rolle spielt – insbesondere im Bereich der Unternehmensbesteuerung.
Die Analyse von Monika Köppl-Turyna und Michael Christl untersucht den Zusammenhang zwischen Steuerwettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum in 23 europäischen und vergleichbaren OECD-Staaten im Zeitraum 2014 bis 2024. Als Maßstab dient der „International Tax Competitiveness Index“ der Tax Foundation, der mehr als 40 steuerpolitische Variablen berücksichtigt – darunter Unternehmenssteuern, Einkommensteuern, Konsumsteuern, vermögensbezogene Steuern sowie grenzüberschreitende Steuerregeln.
Die Ergebnisse zeigen, dass Verbesserungen der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit in einem positiven Zusammenhang mit dem realen Wachstum des BIP pro Kopf stehen. Getrieben wird dieser Effekt jedoch nahezu ausschließlich durch die Unternehmensbesteuerung. Andere Bereiche des Steuersystems – etwa Einkommen-, Konsum- oder vermögensbezogene Steuern – zeigen in der Analyse keinen vergleichbar robusten Wachstumseffekt.
Entscheidend ist dabei nicht allein der Körperschaftsteuersatz. Wachstumsrelevant sind vielmehr auch Abschreibungsregeln, Verlustverrechnung, die steuerliche Behandlung von Forschung und Entwicklung, die Komplexität des Steuersystems sowie die steuerliche Behandlung von Eigen- und Fremdkapital. Ein wettbewerbsfähiges Unternehmenssteuersystem senkt Investitionshemmnisse, verbessert die Kapitalallokation und stärkt die Innovationsfähigkeit von Unternehmen.
Vor dem Hintergrund der Budgetverhandlungen ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Konsolidierungsmaßnahmen sollten so ausgestaltet werden, dass sie die steuerlichen Rahmenbedingungen für Investitionen nicht verschlechtern. Höhere Belastungen oder zusätzliche Komplexität können zwar kurzfristig Einnahmen bringen, mittel- bis langfristig aber Wachstum, Investitionen und damit auch die künftige Steuerbasis schwächen. Nachhaltige Budgetpolitik sollte daher Ausgabendisziplin und Strukturreformen mit einem Steuersystem verbinden, das Investitionen, Innovation und Wachstum ermöglicht statt erschwert.