Studie: Leistbares Wohnen in Graz
Leistbares Wohnen in Graz
Mag. Dr. Wolfgang Schwarzbauer
Finanz – und Personalvorstand, Leiter des Forschungsbereichs regionale Wirtschaftspolitik und Außenwirtschaft
Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna
Direktorin, Forschungsvorstand/ - wissenschaftliche Leiterin
Sarah Rabong
Studentische Mitarbeiterin
Politikoptionen, Wirkungen und Rolle gemeinnütziger Bauträger – eine evidenzbasierte Entscheidungsgrundlage
Die Bereitstellung leistbaren Wohnraums zählt zu den zentralen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen wachsender Städte. Graz verzeichnet seit Jahren ein starkes Bevölkerungswachstum, während steigende Baukosten, höhere Finanzierungskosten und regulatorische Anforderungen die Neubautätigkeit bremsen. Die Folge sind zunehmender Druck auf den Wohnungsmarkt und steigende Wohnkosten.
Die neue EcoAustria-Studie „Leistbares Wohnen in Graz: Politikoptionen, Wirkungen und Rolle gemeinnütziger Bauträger – eine evidenzbasierte Entscheidungsgrundlage“ analysiert im Auftrag der ÖWG die strukturellen Entwicklungen am Grazer Wohnungsmarkt und bewertet zentrale wohnungspolitische Instrumente hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, fiskalischen Auswirkungen und langfristigen Effekte.
Im Mittelpunkt der Analyse stehen Mietobergrenzen, kommunaler Wohnbau und gemeinnütziger Wohnbau sowie die Frage, welche Instrumente langfristig geeignet sind, leistbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten bereitzustellen. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere angebotsseitige Maßnahmen entscheidend sind, um dem steigenden Wohnkostendruck nachhaltig entgegenzuwirken. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem gemeinnützigen Wohnbau zu, der Wohnraum zu vergleichsweise stabilen Konditionen schaffen kann, ohne kommunale Haushalte direkt zu belasten. Gleichzeitig entfalten Investitionen im gemeinnützigen Wohnbau positive regionalwirtschaftliche Effekte und wirken dämpfend auf das allgemeine Mietniveau.
Darüber hinaus hebt die Studie die Bedeutung der Flächenwidmungs- und Verdichtungspolitik hervor. Insbesondere in gut erschlossenen Lagen kann eine gezielte Anhebung der Bebauungsdichten das Wohnungsangebot ausweiten und damit strukturell zur Entlastung des Wohnungsmarktes beitragen. Die Analyse zeigt zugleich, dass kommunaler Wohnbau in Graz derzeit aufgrund fiskalischer und struktureller Herausforderungen nur eingeschränkt als Instrument zur Schaffung zusätzlichen leistbaren Wohnraums geeignet ist. Mietobergrenzen können zwar kurzfristig entlasten, bergen laut wirtschaftswissenschaftlicher Evidenz jedoch Risiken für Investitionen und langfristige Angebotsentwicklung.
Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass leistbares Wohnen keine Einzelmaßnahme kennt, sondern ein abgestimmtes Zusammenspiel aus Angebotsausweitung, verlässlichen Rahmenbedingungen und institutioneller Stärke erfordert.