Studie: Wertschöpfungswirkungen der pharmazeutischen Industrie in Österreich
Studie Pharmazeutische Industrie
Mag. Dr. Wolfgang Schwarzbauer
Finanz – und Personalvorstand, Leiter des Forschungsbereichs regionale Wirtschaftspolitik und Außenwirtschaft
Johanna Knaus
Studentische Mitarbeiterin
Der Industriestandort Österreich steht seit Jahren unter wachsendem Wettbewerbsdruck. Eine neue EcoAustria-Studie im Auftrag des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI), des Österreichischen Generikaverbands (OeGV) und der PHARMIG – Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs zeigt, dass sich die pharmazeutische Industrie diesem Trend bislang vergleichsweise erfolgreich entziehen konnte. Die Ergebnisse liefern außerdem Hinweise darauf, welche Faktoren für die Ziele der österreichischen Industriestrategie 2035 von Bedeutung sein können.
Die Analyse zeigt, dass die Branche Forschung, industrielle Produktion und internationale Wettbewerbsfähigkeit in besonderer Weise verbindet. Rund 6,5 Prozent aller Forschungs- und Entwicklungsausgaben des österreichischen Unternehmenssektors entfallen auf die Pharma- und Biotechbranche. Gemessen an ihrem Anteil von 2,9 Prozent am Bruttoinlandsprodukt investiert sie damit überproportional in Forschung und Entwicklung und trägt wesentlich zur Innovationskraft des Standorts bei.
Auch als Produktionsstandort gewinnt Österreich für die Branche an Bedeutung. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Generikaproduktion: Die damit verbundene Wertschöpfung stieg von 1,7 Milliarden Euro in den Jahren 2019 und 2020 auf 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2024. Die mit der pharmazeutischen Industrie insgesamt verbundene Wertschöpfung belief sich in diesem Jahr auf 12,9 Mrd. Euro. Gleichzeitig weisen Beschäftigte der pharmazeutischen Industrie eine überdurchschnittliche Produktivität auf. Nach den Modellrechnungen der Studie sichert ein Arbeitsplatz in der Branche rechnerisch bis zu 3,6 Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft. Insgesamt hängen rund 1,9 Prozent aller Erwerbstätigen sowie eine Wertschöpfung von rund 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts direkt, indirekt oder induziert mit der Branche zusammen.
Hinzu kommt, dass die Pharmaindustrie auch außenwirtschaftlich an Relevanz gewonnen hat. Im Jahr 2024 beliefen sich die Exporte pharmazeutischer Erzeugnisse auf rund 20 Milliarden Euro und machten damit knapp zehn Prozent aller österreichischen Warenexporte aus. Der Handelsbilanzüberschuss hat sich seit 2015 mehr als verdreifacht und erreichte zuletzt rund acht Milliarden Euro. Grundlage dafür ist eine Produktionssteigerung von 75 Prozent innerhalb von neun Jahren, während die Warenproduktion insgesamt im selben Zeitraum lediglich um 15 Prozent zunahm.
Nicht alle Erfolgsfaktoren lassen sich zwar unmittelbar auf andere Branchen übertragen, dennoch liefert die Entwicklung der Pharmaindustrie wichtige Anhaltspunkte dafür, welche Bedeutung verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, Forschung, Innovation und wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Österreich haben können.