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Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafts- und Industriestandorts und Anforderungen einer Industriestrategie

Die kürzlich präsentierte Industriestrategie der Bundesregierung adressiert zentrale Herausforderungen des österreichischen Industriestandorts. Eine neue EcoAustria Studie zeigt, dass Österreich bei einer soliden industriellen Basis im Mittelfeld vergleichbarer Volkswirtschaften liegt. Ein umfassendes Benchmarking macht deutlich, wo die Strategie ansetzt und wo strukturelle Reformen entscheidend für die künftige Wettbewerbsfähigkeit sind.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET)hat EcoAustria Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandorts anhand von rund 140 Indikatoren und 22 Standortfaktoren analysiert. Die Ergebnisse bestätigen eine robuste Ausgangsbasis der österreichischen Industrie, zeigt aber ebenso klar jene Bereiche, in denen Wirtschaftspolitik die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geeignet unterstützen kann.

Zu den zentralen Stärken zählen ein hohes Produktivitätsniveau, eine breite und leistungsfähige industrielle Basis sowie eine komplexe und hochwertige Exportstruktur. Auch bei Forschung und Entwicklung ist Österreich international gut positioniert. Positive Bewertungen ergeben sich zudem für Umwelttechnologien, Kreislaufwirtschaft sowie für die berufliche Ausbildung und MINT-Qualifikationen. Stabile Arbeitsbeziehungen tragen zusätzlich zur Standortqualität bei.

Die Industriestrategie greift laut Studie wesentliche Handlungsfelder auf, insbesondere bei Energiekosten, Schlüsseltechnologien, Fachkräftesicherung, Entbürokratisierung und der Versorgung mit kritischen Rohstoffen. Gleichzeitig zeigt das Benchmarking strukturelle Schwächen. Dazu zählen vor allem Arbeitsanreize, die Entwicklung von Produktivität und Lohnstückkosten, die hohe Abgabenbelastung sowie Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Finanzen und der Kapitalmarktentwicklung.

Besonders deutlich fallen die Ergebnisse im Bereich Arbeitsmarkt aus. Zwar verfügt Österreich über eine gut ausgebildete und vergleichsweise junge Bevölkerung, dennoch begrenzen eine mittlere Erwerbsquote, ein niedriges faktisches Pensionsantrittsalter und eine hohe Teilzeitquote das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen. Zugangsvoraussetzungen zu Pensionen und sozialen Leistungen beeinflussen die Arbeitsanreize maßgeblich und führen zu hohen Ausgaben für soziale Sicherungssysteme.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die Industriestrategie wichtige Impulse setzt, ihre Wirkung jedoch maßgeblich davon abhängt, ob es gelingt, bestehende strukturelle Bremsfaktoren zu adressieren. Nur so lassen sich die vorhandenen Stärken des Standorts nachhaltig in höhere Investitionen, Produktivität und internationale Wettbewerbsfähigkeit überführen.