Österreichs Produktivität stagniert

Mag. Nikolaus Graf
Leiter des Forschungsbereichs Wettbewerbsfähigkeit

Im OECD-Vergleich liegt Österreichs Produktivität im guten Mittelfeld, unter anderem vor Deutschland und Großbritannien. Ein Blick auf die Entwicklung zeigt allerdings, dass Österreichs Produktivität seit Jahren stagniert: Das durchschnittliche Produktivitätswachstum lag zwischen 2010 und 2016 knapp unter 0,1 Prozent pro Jahr. Damit gehört Österreich gemeinsam mit Luxemburg, Finnland, Italien und Griechenland zu den fünf Ländern mit dem niedrigsten Produktivitätswachstum. Das zeigt der aktuelle OECD-Bericht Regions and Cities at a Glance 2018, der einen Vergleich der regionalen Entwicklung innerhalb und außerhalb nationaler Grenzen erlaubt.

In Österreich stagniert die Produktivität allerdings nicht allerorts. Die Region mit dem höchsten Produktivitätswachstum der letzten Jahre ist Vorarlberg. Dort ist die Produktivität seit 2000 um durchschnittlich 1 Prozent pro Jahr gestiegen. Wien sticht in mehrerlei Hinsicht hervor: 2016 war die Bundeshauptstadt die produktivste Region Österreichs. Diese Spitzenposition ist aber nicht mehr in Stein gemeißelt. Seit 2007 sinkt die Produktivität stetig und 2015 wurde Wien erstmals von Vorarlberg überholt. Darüber hinaus liegt die Arbeitslosenquote in Wien um rund fünf Prozentpunkte über der gesamtösterreichischen. Deutlicher noch sind die Unterschiede bei der Jugendarbeitslosigkeit. Während die Quote in Gesamtösterreich bei 9,8 Prozent liegt, sind in Wien 16,7 Prozent der 15- bis 24-Jährigen arbeitslos. Damit liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Wien sogar höher als im OECD-Durchschnitt und auch höher als in anderen Großstädten, wie Hamburg, München oder Berlin.

Eine Schlüsselrolle für einen zukunftsfitten Arbeitsmarkt kommt der Bildung zu. Aus- und Weiterbildung sowie lebenslanges Lernen sind in Zeiten des demographischen Wandels und der Digitalisierung essentiell. Auch gilt es, die beträchtliche Zahl an Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen mit relevanten Bildungsmaßnahmen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Jährliches Produktivitätswachstum, 2010-2016