Kurzanalyse 12: Österreichs Potenzial für eine klimafreundlichere Industrie

Mag. Dr. Wolfgang Schwarzbauer
Leiter des Forschungsbereichs Außenwirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik

Neben der Bewältigung der aktuellen COVID-19-Krise ist wohl der globale Klimawandel eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft. Gerade auch in Europa sind in den vergangenen Jahren die Anstrengungen intensiviert worden (z.B. European Green Deal usw.). Die Produktion und dabei insbesondere die Industrie ist ein bedeutender Emittent von CO2-Emissionen und steht daher vor besonderen Herausforderungen. Dies trifft auch auf Österreich zu, wo die Industrie eine bedeutende Rolle im Speziellen für den Außenhandel spielt. Um die CO2-Emissionen nachhaltig zu senken und gleichzeitig die Industrie in Europa weiterzuentwickeln, hat sich die Europäische Union zum Ziel gesetzt, innovative Einzelprojekte zu unterstützen und damit in Zukunft strategisch relevante europäische Wertschöpfungsketten (Important Projects of Common European Interest, IPCEIs) zu stärken und auszubauen, unter anderem im Bereich „Low CO2 Emissions Industry“.

Im Allgemeinen ist zu beobachten, dass Österreich im internationalen Handel in einigen Industriebranchen stark spezialisiert ist. Ausgeprägte Spezialisierungen sind dabei unter anderem auch in stark CO2-intensiven Industriebranchen feststellbar (siehe Abbildung unten). Dies trifft etwa auf die Metallerzeugung und -bearbeitung, die Herstellung von sonstigen nicht-metallischen Erzeugnissen und die Papierindustrie zu. Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass andere europäische Staaten wie Deutschland, Italien, Tschechien oder die Slowakei eine weniger starke Branchenspezialisierung in CO2-intensiven Branchen aufweisen.

Die starke Spezialisierung in einigen CO2-intensiven Branchen per se ist dabei nicht unbedingt ein Standortnachteil. Vielmehr ist die Position Österreichs eine gute Ausgangslage dafür bestehende Produktionsprozesse zu verbessern, da entsprechendes Know-How in den jeweiligen Branchen sowie eine günstige internationale Wettbewerbsposition vorhanden sind. Dies kann sowohl bei der Entwicklung neuer Produktspezialisierungen (z.B. neue Fahrzeugantriebsformen), als auch bei der nachhaltigeren Gestaltung bestehender CO2-intensiver Produktionsprozesse von Vorteil sein. So werden beispielsweise auch in Zukunft international Produkte der CO2-intensiven Branche Metallerzeugung und -bearbeitung nachgefragt werden, die Frage ist nur wo und mit welcher CO2-Intensität diese hergestellt werden. Für Österreich ist einerseits die Aufrechterhaltung des hier bestehenden Spezialisierungsvorteils zentral. Andererseits ist Österreich aber auch besser geeignet, weniger CO2-intensive Produktionsprozesse zu entwickeln als Länder ohne eine entsprechende Spezialisierung.

Vor dem Hintergrund des hohen Spezialisierungsgrads Österreichs in CO2-intensiven Branchen wäre es daher zu begrüßen, dass Österreich am IPCEI Low CO2 Emissions Industry partizipiert. Eine Unterstützung der Industrie bei der Innovation und Optimierung der Produktion kann dazu beitragen, dass die internationalen Wettbewerbsvorteile, die österreichische Unternehmen in einigen CO2-intensiven Branchen innehaben, auch zukünftig bestehen bleiben oder sogar ausgebaut werden können. Zudem kann das durch eine mögliche Beteiligung am IPCEI gewonnene Know-How auch über unternehmensübergreifende und regionale Spillover-Effekte positiv wirken, den Wirtschaftsstandort stärken und schließlich weitere Unternehmen anziehen, so das Fazit einer heute veröffentlichen EcoAustria Kurzanalyse.